Osteoporose–Wenn Hormone, Verhütung & Lebensstil unsere Knochen beeinflussen

Der Knochen lebt – ein Leben lang

Unser Skelett ist kein starres Gerüst. Knochen sind lebendiges Gewebe und befinden sich kontinuierlich in einem Umbauprozess – dem sogenannten Knochenstoffwechsel.

Drei Zelltypen übernehmen dabei zentrale Aufgaben:

 

  • Osteoblasten bauen neue Knochensubstanz auf und produzieren die Knochengrundsubstanz

           (vor allem Kollagen).

  • Osteoklasten bauen alte Knochensubstanz ab und setzen Mineralstoffe wie Calcium frei.

 

  • Osteozyten fungieren als überwachende und steuernde Zellen im Knochengewebe.

 

Das Gleichgewicht zwischen Aufbau und Abbau entscheidet darüber, ob der Knochen stabil bleibt oder an Substanz verliert.

Hormonelle Steuerung des Knochenstoffwechsels

Der Knochenstoffwechsel wird durch mehrere Hormone reguliert:

 

  • Parathormon (PTH)

             → steigert den Knochenabbau

             → erhöht den Calciumspiegel im Blut

 

  • Vitamin D (Calcitriol)

           → fördert die Calciumaufnahme im Darm

           → unterstützt den Knochenaufbau

 

  • Calcitonin

            → hemmt den Knochenabbau

 

  • Östrogen & Testosteron

            → schützen vor übermäßigem Knochenabbau

 

Ein zentraler Aspekt:

 

Die Knochenmasse wird überwiegend zwischen der Pubertät und etwa dem 25. Lebensjahr aufgebaut.

In dieser Phase entsteht die maximale Knochendichte – die sogenannte Peak Bone Mass. Sie bildet die Grundlage für die spätere Knochengesundheit.

Osteoporose in jungen Jahren – mögliche Hintergründe

 

In der Praxis zeigen sich zunehmend Fälle von Osteopenie oder Osteoporose bereits zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr.

 

Zur Abklärung werden unter anderem untersucht:

  • Vitamin-D-Ration (Verhälntis aus 1.25 OH und 25 OH Vitamin D)
  • Parathormon
  • Sexualhormone nach Rimkus (FSH, Östradiol, Progesteron, Testosteron)
  • Intrazelluläres Calcium (Vollblutmineralanalyse)

 

Ein möglicher Einflussfaktor, der diskutiert wird, ist die hormonelle Verhütung.

Die Pille und der Knochenstoffwechsel

 

Östrogene wirken grundsätzlich knochenschützend:

  • Sie hemmen die Aktivität der Osteoklasten (Knochenabbau).

 

  • Sie unterstützen indirekt die Osteoblasten (Knochenaufbau).

 

Die Antibabypille enthält synthetische Hormone, beispielsweise Ethinylestradiol und verschiedene Gestagene. Diese unterscheiden sich strukturell von körpereigenen Hormonen.

 

Viele Präparate unterdrücken den Eisprung und damit die natürliche Östrogenproduktion.
Insbesondere bei Jugendlichen und jungen Frauen kann dadurch die physiologische Hormonproduktion reduziert werden.

 

Wenn in der Phase des maximalen Knochenaufbaus:

 

  • die natürliche Hormonproduktion gedämpft wird

 

  • der maximale Knochenaufbau nicht vollständig erreicht wird

 

kann dies langfristig Auswirkungen auf die Knochendichte haben.

Die Kupferspirale – ausschließlich lokal wirksam?

 

Die Kupferspirale wird als hormonfreie Verhütungsmethode eingesetzt.

 

Sie setzt kontinuierlich Kupferionen frei, wodurch in der Gebärmutterschleimhaut eine entzündungsähnliche Reaktion ausgelöst wird.
Dadurch werden Spermien geschädigt und eine Einnistung verhindert.

 

Lokale Wirkung und mögliche systemische Reaktionen

 

Im Rahmen dieser Reaktion werden unter anderem Prostaglandine und Interleukine freigesetzt.
Diese können theoretisch Einfluss auf die Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse nehmen.

Berichtet werden unter anderem:

  • Zyklusveränderungen
  • PMS-ähnliche Symptome
  • Stimmungsschwankungen

 

Kupfer und Neuroendokrinologie

Kupfer ist ein essentielles Spurenelement.

Es ist beteiligt an:

  • der Regulation von Dopamin
  • der Regulation von Noradrenalin

 

Ein relatives Übermaß im Verhältnis zu Zink wird mit Stimmungsschwankungen, Migräne oder Zyklusunregelmäßigkeiten in Verbindung gebracht.

Zink wiederum spielt eine Rolle im Progesteron-Östrogen-Gleichgewicht.

Fallbeispiel aus der Praxis

Bei einer Patientin mit Hashimoto-Thyreoiditis lag der TPO-AK-Wert bei über 2000.

Wenige Wochen nach Entfernung der Kupferspirale sank der Wert auf etwa 200–300.

Es handelt sich hierbei um eine Einzelfallbeobachtung.

 

Wechseljahre und Osteoporose

Im Klimakterium kommt es zu einem deutlichen Abfall des Östrogenspiegels.
Dieser Hormonrückgang geht mit einer verstärkten Aktivität der Osteoklasten einher und kann den Knochenabbau beschleunigen.

Auch bei Männern kann ein sinkender Testosteronspiegel Einfluss auf die Knochendichte nehmen.

 

Weitere Risikofaktoren

Unabhängig von hormonellen Aspekten gelten folgende Faktoren als relevant:

  • Bewegungsmangel
  • Vitamin-D-Mangel
  • Magnesiummangel
  • Kalziumarme Ernährung
  • Rauchen
  • Alkoholkonsum
  • Bestimmte Medikamente (z. B. Kortison)

 

Prävention – mögliche Ansatzpunkte

Da der wesentliche Knochenaufbau früh im Leben erfolgt, spielt Prävention eine zentrale Rolle.

 

Mechanischer Reiz

Knochen reagieren auf Belastung.
Krafttraining stellt einen starken Stimulus für den Erhalt der Knochendichte dar.

 

Nährstoffversorgung

  • Vitamin D3 (Vitamin D-Ratio vorher messen)
  • Vitamin K2
  • Magnesium, Kalzium
  • Zink
  • Ausreichende Proteinzufuhr (ca. 1,4mg/kg)

 

Bewusste Verhütungsentscheidung

Die Wahl einer Verhütungsmethode kann individuell und unter Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren erfolgen – insbesondere bei jungen Frauen während der Phase des maximalen Knochenaufbaus.

 

Fazit

Osteoporose entwickelt sich über Jahre hinweg.

  • Der Knochenstoffwechsel ist hormonabhängig.
  • Die Phase bis etwa zum 25. Lebensjahr ist entscheidend für die maximale Knochendichte.
  • Hormonelle Eingriffe können langfristige Auswirkungen haben.
  • Lebensstilfaktoren beeinflussen die Knochengesundheit maßgeblich.

Die Grundlage für stabile Knochen wird früh gelegt.